Sprungmarken

Servicenavigation

Hauptnavigation

Sie sind hier:

Hauptinhalt

Rehabilitation in der UAR

Im Rahmen eines Symposiums im Veranstaltungszentrum der Ruhr-Universität Bochum haben sich zwei Lehr- und Forschungsambulanzen der RUB und der TU Dortmund vorgestellt. Die Besucher konnten hinter die Kulissen des Sprachtherapeutischen Ambulatoriums (SpA) an der TUDO und des Neuropsychologischen Therapie Centrums NTC an der RUB blicken.
Das Symposium war ein erster Schritt der neu initiierten UAR-Kooperation der beiden Hochschulambulanzen und der Auftakt für eine engere Forschungskooperation.

gruppenbild_klein

Mit dem Ruhrpottzitat von Frank Goosen „Woanders ist auch….“ begrüßt Prof. Dr. Boris Suchan (Ruhruniversität Bochum RUB) die Gäste, die am 20. Juni in das Veranstaltungszentrum an die RUB gekommen sind, um hinter die Kulissen zweier Lehr- und Forschungsambulanzen zu blicken: das Neuropsychologische Therapie Centrum NTC an der RUB und das Sprachtherapeutische Ambulatorium (SpA) an der Technischen Universität Dortmund (TUDO). „Woanders ist auch…“ bezieht sich hier auf den Standortvorteil des Ruhrgebietes mit kurzen Wegen innerhalb der Universitätsallianz, wovon die kürzlich etablierte Kooperation zwischen diesen beiden einzigartigen Einrichtungen profitiert.

Das gut besuchte Symposium bot an einem Nachmittag eine Reihe von kurzweiligen Vorträgen zu verschiedenen Aktivitäten der rehabilitativen Einrichtungen, die im Kontext von Forschung, Aus- und Weiterbildung sowie therapeutischer Versorgungsleistung einen wesentlichen Beitrag für das Ruhrgebiet und die Allianz der Ruhruniversitäten leisten. Beide Hochschulambulanzen verfolgen das Prinzip evidenzbasierter Praxis, bei der die Entwicklung neuer und wirksamer rehabilitativer Maßnahmen im Mittelpunkt steht.

Die Einrichtungen sind also nicht nur Dienstleistungserbringer, sondern auch Forschungseinrichtung und übernehmen zudem eine wichtige Multiplikatorenrolle, um in der Region Expertise zu vernetzen und wissenschaftlich fundierte Informationen zur Verfügung zu stellen. Hierzu zählen etwa Vortragsreihen und Fortbildungsangebote, die Entwicklung von Netzwerken oder die Beratung von Angehörigen und Kolleg*innen. An der RUB besteht bald außerdem die Möglichkeit für approbierte Psychotherapeut*innen, zusätzlich eine Weiterbildung zu Klinischen Neuropsycholog*innen zu absolvieren.

NeuropsychologischesTherapieCentrum

Beide Ambulanzen haben ihre Schwerpunkte in der klinischen Diagnostik, Therapie und Beratung, allerdings mit unterschiedlicher Ausrichtung: Während das SpA seinen Schwerpunkt in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat, die sprachlich oder kommunikativ beeinträchtigt sind, konzentriert sich das NTC auf Erwachsene mit neurologischen Beeinträchtigungen nach einer Hirnschädigung oder -erkrankung. Der Leiter des NTC, Prof. Dr. Suchan, beschrieb anschaulich, wie dort neben einer neuropsychologischen Diagnostik und Therapie auch die Krankheitsbewältigung bei den Betroffenen und deren Angehörigen sowie ein berufliches Wiedereingliederungsmanagement thematisiert werden.

Enge Verbindung zur Forschung

Diese umfassende Versorgungsmaxime zeichnet auch das Vorgehen im SpA aus, wie Priv.-Doz. Dr. Katja Subellok (TUDO) berichtete. Durch viele Anfragen und gleichzeitig begrenzte Ressourcen hat sich jedoch die Arbeit in dieser bereits vor 32 Jahren gegründeten Einrichtung zunehmend auf die Diagnostik und Beratung verlagert, denen dann in der Regel eine therapeutische Versorgung über die angegliederten Behandlernetzwerke folgt. Mittlerweile werden im SpA vorwiegend Kinder und Jugendliche mit selektivem Mutismus und komplexen Spracherwerbsproblematiken versorgt. Die Behandlungsmethoden werden auf wissenschaftlicher Basis entwickelt und auch evaluiert. Damit ist die Arbeit in den Einrichtungen eng mit der – auch drittmittelfinanzierten – Forschung verbunden.

Dieser Ansatz wurde ausführlich von Priv.-Doz. Dr. Patrizia Thoma (RUB) am Beispiel kognitiver Störungen nach Hirnschädigung erläutert. Es werden am NCT kontrollierte Studien durchgeführt, die sich auf die kognitive Funktionalität und auch Sekundärphänomene wie etwa die Stärkung sozialer Kompetenzen bei Menschen mit neuropsychologischer Beeinträchtigung beziehen. Ein anderer Schwerpunkt liegt in der Evaluation technikgestützter Trainingsprogramme, die Betroffene von Zuhause nutzen können.

Auch an der TUDO werden technikgestützte Maßnahmen eingesetzt und erforscht. Dr. Carina Lüke machte an einem Fallbeispiel deutlich, wie die Sprache eines Kindes, das wegen einer sprechmotorischen Erkrankung zunächst nicht lautsprachlich kommunizieren konnte, erfolgreich angebahnt werden konnte. Der frühe Einsatz einer elektronischen Kommunikationstechnologie hatte dem Kind ermöglicht, sich auszudrücken, deutlich verständlicher zu sprechen und eine regelhafte Sprachentwicklung zu durchlaufen.

Aufwändige Diagnostik

Der neuropsychologische Schwerpunkt des NCT wurde von der Psychologin Annalena Okoniewski (RUB) näher erläutert, die ein aktuelles Forschungsprojekt zu neuropsychologischen Beeinträchtigungen bei Hirntumorerkrankten vorstellte. Ziel dieses Projektes ist es, eine zeitökonomische und dennoch aussagekräftige Diagnostik zu entwickeln, die sich neuer bildgebender Verfahren bedient. Eine aufwändige Diagnostik charakterisiert auch die Arbeit der SpA-Casemanagerin Dagmar Slickers (TUDO), die vor allem bei Kindern mit komplexen kommunikativen Beeinträchtigungen erforderlich wird. Hierzu zählen Kinder mit geistiger Behinderung, Autismus-Spektrum-Störungen oder genetischen Syndromen, bei denen neben der Sprache auch andere Entwicklungsbereiche betroffen sind.

Im Anschluss stellte Monika Owczarek (RUB) eine Initiative des NTC vor, bei der ein Online-Ratgeber für Angehörige für Menschen mit neuropsychologischen Erkrankungen entwickelt wird. Angehörige, so zeigt eine Studie der RUB, haben häufig ein Informationsdefizit und wünschen sich Hinweise für die Alltagsbewältigung und Trainingsmöglichkeiten zuhause. Deshalb werden leichtverständliche Informationsmaterialien entwickelt, unter anderem auch für Kinder (zum Beispiel ein Bilderbuch mit dem Titel „Stau in Opas Kopf“).

SpA_AktuellesDas Ziel, neurologische Funktionen zuhause zu trainieren, wird in einem Projekt der TUDO verfolgt, das Dr. Juliane Mühlhaus vorstellte. Das digitale Trainingssystem richtet sich an Menschen mit Parkinson („ISi-Speech“) und soll zu einer hochfrequenten und dadurch wirksamen Nutzung anregen. Bei diesem interdisziplinären Ansatz mit Verbundpartnern aus Forschungseinrichtungen und Wirtschaft wird deshalb neben der technischen Funktionalität auch die psychologische Funktionalität berücksichtigt.

Genaue Untersuchung der Beeinträchtigungen des Gedächtnisses

Gedächtnisleistungen standen im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Dr. Boris Suchan (RUB). Bildgebende Verfahren zeigen, wie sich bewusstes Erinnern und ein Gefühl der Vertrautheit unterscheiden. Menschen mit Hirnerkrankungen zeigen häufig Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, die sich auch auf Vorstellungen von Zukunft beziehen. Diese Beobachtungen weisen darauf hin, dass auch bei imaginativem Denken Gedächtnisinhalte eine große Rolle spielen. Der Wissenschaftler fordert genauere Untersuchungen, welche Aspekte von Gedächtnis bei einer Hirnerkrankung betroffen sind.

Zum Abschluss des Symposiums führte Dipl.-Pädagogin Kerstin Bahrfeck-Wichitill (TUDO) in das am SpA entwickelte Therapieverfahren für selektiv mutistische Kindern und Jugendliche ein. Kernstück dieser Behandlungsmethode ist das sogenannte Safe Place Konzept, bei dem die Betroffenen zunächst Verständnis erfahren, um dann aber Wege aufgezeigt zu bekommen, wie sie selbstverantwortlich aus dem Schweigen heraustreten und auch noch in kritischen Phasen durchhalten können.

Das Symposium wird als erfolgreicher erster Schritt der neu initiierten UAR-Kooperation der beiden Hochschulambulanzen bewertet und stellte den Auftakt für eine engere Forschungskooperation dar. Weitere Informationen zur Arbeit der Ambulanzen finden Sie auf den Webseiten des NTC und des SpA sowie auf facebook (; ).



Nebeninhalt

Sprache und Kommunikation