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Mutismus

Zielsetzung

Etwa 7 von 1000 Kindern schweigen in bestimmten sozialen Situationen, obwohl sie grundsätzlich sprechen können und dies zum Beispiel zuhause mit ihrer Familie auch tun. Dieses Phänomen wird selektiver Mutismus (SM) genannt und gehört zu den kindlichen Angststörungen. Das Kernsymptom des Schweigens tritt vor allem in institutionellen Kontexten, wie Kindergarten und Schule auf, wird dort jedoch häufig nicht erkannt und als extreme Form der Schüchternheit interpretiert. In der Tat sind die Übergänge von einer reinen Schüchternheit zu einem selektiven Mutismus fließend. Die Selektivität der Symptomatik erschwert zudem die Identifizierung des Erscheinungsbildes. Eltern erleben ihre Kinder zuhause typischerweise als sehr sprechfreudig und sind nicht selten erschrocken, wenn ErzieherInnen oder LehrerInnen ihnen vom Nicht-Sprechen des Kindes in der Institution berichten. Das Phänomen selbst ist jedoch auch in medizinischen und pädagogischen Handlungsfeldern noch wenig bekannt, sodass viele mutistische Kinder erst im Schulalter erkannt werden. In unserer Studie KiMuT NRW  zeigten 2,6 % der erfassten Grundschulkinder mutismustypische Verhaltensweisen, wobei nur die Hälfte bereits  diagnostiziert war. Eine hohe Dunkelziffer ist daher zu vermuten. Doch gerade eine frühzeitige Erfassung und Behandlung bietet denn besten präventiven Schutz vor Langzeitfolgen, wie generalisierten Angststörungen, Depressionen oder sozialer Isolation.

Die Komplexität des selektiven Mutismus macht interdisziplinäre fachliche Zugänge erforderlich. Da bei circa der Hälfte aller selektiv mutistischen Kinder als Hintergründe sprachliche Entwicklungsabweichungen oder Mehrsprachigkeit mit kultureller Diversität in Erscheinung treten, hat sich für die Behandlung des SM in den letzten Jahren auch die Sprachtherapie/Logopädie als fachliche Domäne etabliert. In Deutschland hat das Fachgebiet Sprache und Kommunikation, mit seiner ehemaligen Lehrstuhlinhaberin Nitza Katz-Bernstein, eine der Vorreiterrollen eingenommen. Diese Position wird mittlerweile unter Leitung von Katja Subellok führend ausgebaut.

Mit dem Dortmunder Mutismus-Zentrum (DortMuZ) hat sich das Fachgebiet zur vordringlichen Aufgabe gemacht, den wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn im Bereich Mutismus zu forcieren, zu einem größeren Bekanntheitsgrad des Mutismus und damit zu verbesserter Prävention beizutragen sowie eine qualitativ hochwertige Unterstützung der Betroffenen zu etablieren.

 

Ausgewählte Publikationen

  • Bahrfeck-Wichitill, K., Subellok, K., Starke, A., Küssel, L. & Pollmann, Y. (2012). Lauras Sternstunde. Ein universitäres Projekt zur Partizipation im Bereich selektiver Mutismus. Sprachheilarbeit 57(3), 89-96.
  • Subellok, K. & Starke, A. (2012): Selektiver Mutismus. In S. Niebuhr-Siebert & U. Wiecha (Hrsg.), Kindliche Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen. Gezielte Elternberatung (S. 219-237). München: Elsevier.
  • Subellok, K. & Katz-Bernstein, N. (2012). Beeinträchtigungen der Sprachpartizipation: Psychoreaktive Redestörungen. In W. Jantzen (Hrsg.), Behinderung, Bildung, Partizipation. Enzyklopädisches Handbuch der Behindertenpädagogik. Bd 8: Sprache und Kommunikation). Stuttgart: Kohlhammer, 338-347
  • Subellok, K. & Kresse, A. (2011). Therapiepause oder Abschluss der Sprachtherapie bei selektivem Mutismus: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Fachlicher Austausch von Mutismus-Experten. L.O.G.O.S. interdisziplinär, 19(2), 114-120.
  • Bahrfeck-Wichitill, K., Kresse, A. & Subellok, K. (2011). Gemeinsam schweigsam: Selektiver Mutismus bei Zwillingen. Teil II: Therapiedidaktische Überlegungen und Konkretisierungen. Sprachheilarbeit, 56(1), 110-120.
  • Subellok, K., Kresse, A. & Bahrfeck-Wichitill, K. (2010). Gemeinsam schweigsam: Selektiver Mutismus bei Zwillingen. Teil I: Zwillingsspezifische Besonderheiten der Entstehung und Aufrechterhaltung des Schweigens. Sprachheilarbeit, 55, 110-120.
  • Subellok, K. & Katz-Bernstein, N. (2010). Einfach scheu oder selektiv mutistisch? Früherkennung von Risikofaktoren. In Ch. Leyendecker (Hrsg.), Gefährdete Kindheit. Risiken früh erkennen, Ressourcen früh fördern (S. 159-168). Stuttgart: Kohlhammer.
  • Katz-Bernstein, N. & Subellok, K. (2009). Selektiver Mutismus: Ein Thema für die Sprachtherapie? Vierteljahresschrift für Heilpädagogik und ihre Nachbargebiete (VHN), 78, 308-320.
  • Katz-Bernstein, N., Subellok, K., Bahrfeck-Wichitill, K. & Wagner, C. (2009). Leonardo Schweigen zwischen Kulturen. Einzelfallorientierte Förderung eine selektiv mutistischen Schülers. Mit Sprache, 41, 5-23.
  • Subellok, K. & Bahrfeck-Wichitill, K. (2007). Schweigen - Spritzen - Sprechen: Ein selektiv mutistisches Kind kommt in Bewegung. Ein Fallbericht. Die Sprachheilarbeit, 52, 96-106.